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“Unser bester Schutz ist unsere Offenheit”

Ein Interview mit Kelli Cain und Brian Crabtree, den Designern des rasterbasierten Musikinterfaces monome.

Author: Christophe Stoll
Date: 9. July 2008
Monome 256

Eine logische Konsequenz von DIY kann sein, aus Ergebnissen des eigenen Forschens und Experimentierens ein Produkt zu etablieren und anderen zugänglich zu machen. Auf diese Weise entstand das erste von monome aus Philadelphia vermarktete “Open Instrument” mit dem Namen 40h. Anstatt das Produkt hinter einer Marketing-Fassade zu verstecken und mit Patenten zu schützen, wurden alle Entscheidungen und Entwicklungsprozesse transparent dokumentiert und Baupläne sowie Bauteile als Basis eigener (Weiter-)entwicklungen der Community zugänglich gemacht.

Dieses Interview enstand im Rahmen eines Artikels mit dem Titel 10 Jahre Lötkolben: DIY 2007 für Ausgabe 115 zum 10-jährigen Jubiläum der DE:BUG. Weitere Informationen: monome.org. Alle Bilder dieses Artikels © monome.org

Das Konzept der monome 40h ist simpel: ein Raster von 8×8 beleuchteten Tastern. Habt ihr es zunächst auf dem Papier skizziert und entwickelt, oder als Software oder sofort als Hardware-Prototyp?

Als ich meine ersten Performance-Sequenzer mit max/msp entwickelte wurde deutlich, dass die erstaunliche Flexibilität dieser Umgebung immer begrenzt sein würde durch die Mittel, Daten in das System oder aus dem System heraus zu bekommen. Ganz einfach gesagt: ich wollte dazu fähig sein, 10 Stellen gleichzeitig zu klicken und währendessen stufenlose Parameter fein zu regeln. Desweiteren wollte ich vermeiden, auf einen Computer-Bildschirm zu starren.

Der absolut wichtigste Aspekt dieser Raster-basierten Geräte ist, daß der Input (die Taster) und der Output (das LED-Feedback) unabhängig voneinander sind. Der Computer reagiert auf Tastendruck und sendet LED-Daten. Es erlaubt eine unendliche Anpassbarkeit und ein sehr intuitives und reagierendes Interface. Dies zeigte sich sofort beim ersten 16×16-Prototypen in Kombination mit “mlr”, einer ausgeklügelten Sample-Cutting-Software, die die Abspielposition anzeigt. Eine völlig neue Ebene von Performance und Erkundung wurde möglich.

Brian Crabtree and Kelly Cain
Brian Crabtree & Kelly Cain

Ich weiß, daß ihr sehr moralische Motive habt bei dem was ihr tut. So kommen soweit möglich z.B. nur Bauteile von lokalen Anbietern zum Einsatz. Bedeutet das sehr viel extra Zeiteinsatz und Mehraufwand für euch und wie verhält sich das in Relation zu euren kreativen Konzepten?

Wir waren abgeneigt, Teil der Geschäftswelt zu werden, die wir als kompromisslos Profit-getrieben wahrgenommen haben (in den meisten Bereichen hatten wir nicht unrecht). Die Form die monome angenommen hat ist ein direktes Spiegelbild unserer Werte: wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit mit Betonung auf der Unterstützung heimischer Produktion und Arbeitskräfte.

Es war nicht schwierig für uns, auf lokale Lieferanten zu setzen. Es hat eher die Kommunikation erleichtert und letztendlich ist es uns dadurch gelungen, hohe Qualitätsstandards zu bewahren. Transport ist schneller und günstiger. Wir konnten sehr bequem die Produktionsstätten besuchen und wussten aus erster Hand, daß wir keine fragwürdigen Methoden in Sachen Arbeitsumstände und Umwelt unterstützen. Es ist möglicherweise teurer, aber wir halten die Kompromisse, die man eingehen muß für billigere, auf mysteriöse Weise in unbekannten Einrichtungen hergestellte Bausteine, für inakzeptabel und unverantwortlich.

Die Entscheidungen in Sachen Design und Herstellung spiegeln unsere kreativen Methoden wider, indem sie sehr stark den Prozess betonen.

Die Entscheidungen in Sachen Design und Herstellung spiegeln unsere kreativen Methoden wider, indem sie sehr stark den Prozess betonen. Das Endprodukt ist nur ein Element. Die unzähligen kleinen Entscheidungen und ausführliche Recherche nebenbei schaffen wahres Wissen. Man lernt nie aus.

Euer Business-Modell ist recht einzigartig in der Landschaft der Musikgeräte-Hersteller. Glaubt ihr, euer Ansatz kann ein Vorbild werden für andere, ihre eigenen kleinen Unternehmen zu gründen, um spezielle Geräte für spezielle Anforderungen zu entwickeln?

Wir betrachten es als eigentlich unmöglich für große Firmen, das “Open Source”-Prinzip für sich zu übernehmen. Wenn solch eine Firma ein erweiterbares und vom Benutzer modifizierbares Produkt schaffen würde, das für eine Nutzung über mehrere Jahrzehnte ausgelegt ist, hätte sie keine wiederkehrenden Kunden. Sie hätten ganz bestimmt loyale Anhänger, aber damit verdient man kein Geld.

Ich hoffe, daß der von uns gewählte Ansatz mehr Personen dazu inspiriert, dasselbe zu tun. Das zur Verfügungstellen von Information und ermutigende Erforschung haben sich nur positiv ausgewirkt. Die kulturelle Belohnung gleicht die gelegentlichen finanziellen Lücken aus. Wir bleiben klein, leben mit unseren Mitteln und versuchen unser bestes, Geld für das auszugeben, was wir wirklich unterstützen wollen (wenn wir nur bestimmen könnten, was mit unseren Steuergeldern getan wird!).

Glaubt ihr die Bedingungen, sein eigenes elektronisches Musikinstrument zu entwickeln und daraus sogar ein kleines und ausreichend effektives Business zu etablieren, haben sich verändert bzw. verbessert im Laufe der vergangenen Jahre? Und wie denkt ihr, daß sich die Dinge in den nächsten Jahren entwickeln werden? Wie können diese Bedingungen aktiv verbessert werden?

Es ist generell einfacher geworden, etwas eigenes zu entwickeln. Die Verbreitung und der Austausch von Wissen, Methoden und Fähigkeiten hat in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Ein eigenes Business zu starten ist meiner Ansicht nach auch einfacher, da das Internet sowohl Zusammenarbeit als auch Produktpräsentation in einer Weise ermöglicht, die früher undenkbar oder maßlos teuer gewesen wäre. Die Mittel existieren. Menschen brauchen nur eine gute Idee und den Ehrgeiz, sie durchzuziehen.

Es ist generell einfacher geworden, etwas eigenes zu entwickeln.

Ich bin unsicher, wohin sich die Dinge in den nächsten Jahren entwickeln werden. Ich hoffe sehr, daß Designer die Sache selbst in die Hand nehmen (also ihre eigenen kleinen Firmen gründen) und einige der zerstörerischen Effekte der Bürokratie vermeiden, die dem “Big Business” innewohnt.

Es gibt Millionen von Musik-Controllern auf dem Markt. Trotzdem scheinen zahlreiche Benutzer nicht in der Lage zu sein ein für sie funktionierendes Setup zu finden. Natürlich ist nichts perfekt, aber denkst du das Modell, modulare “Open Source” Software oder Hardware für sich selbst und für eine eingeschränkte, spezielle Zielgruppe zu entwickeln hat das Potential, ein ernstzunehmendes Gegengewicht zur bestehenden Industrie zu bilden? Oder ist es schon soweit?

40h – zerlegt
Monome 40h – zerlegt …

Ich glaube es ist bestimmt schon seit einer ganzen Weile soweit. Diejenigen, die Maßanfertigung suchen, werden letztendlich Lösungen finden (zweifellos nach der Nutzung von Tonnen von kommerziellem Equipment).

Dies ist kein Markt, in dem es nicht leicht ist zu kommerzialisieren oder Massenproduktion zu betreiben, denn sobald es Zehntausende von etwas gibt, verliert es mit Sicherheit seinen Reiz. Es gibt mehr als genug fancy Kisten mit Drehreglern, die einen wirklich begeistern können. Immer mehr Leute werden sich wohl mit einer elementareren ebene beschäftigen und Basics der Elektrotechnik, Micro-Controllers oder eine Programmierumgebung lernen. Diese Werkzeuge sind natürlich nicht der Musikindustrie vorbehalten.

Bei diesem Trend sollten zwei Dinge betrachtet werden: 1. Wenn man all seine Zeit damit verbringt, eigene Tools zu entwickeln, wird man möglicherweise nicht soviel Musik oder Kunst produzieren; 2. es wird immer eine Nachfrage nach spezialisierten und originellen Instrumenten geben. Diejenigen, die ihr Erfinderpotenzial in sich entdecken, werden hoffentlich diejenigen mit inspirierenden Tools versorgen, die sich entschieden haben, ihren Fokus auf die Musik und Kunst zu richten. DIY wird nie allumfassend sein und sollte es auch nicht. Viele Tools müssen nicht neu erfunden werden.

Habt ihr einmal über die Möglichkeit nachgedacht, daß einer der “Großen” eure Ideen klaut, diese in eigene Produkte einfliessen lässt und unter anderem Namen verkauft? Oder ist euch das schon passiert?

Unser bester Schutz ist unsere Offenheit.

Das scheint eher unwahrscheinlich, denn es ist nicht sehr profitversprechend. Wir glauben, daß das Urheberrecht-System beschädigt ist. Unser bester Schutz ist unsere Offenheit. Wir haben außerdem ein hohes Vertrauen in die Qualität der Ausführung unserer Geräte.

Ähnliche Produkte auf dem Markt (und noch kommende) betrachten wir nicht als absolut abgeleitet, und sie verfehlen wirklich das Wesentliche. Es geht nicht nur um blinkende Taster.

Wie schwierig oder einfach ist es eurer Meinung nach für technisch unerfahrene Musiker, ihren eigenen Prototypen eines Musik-Interfaces zu entwicklen (natürlich vorausgesetzt, sie haben eine Idee!)?

Du sprichst im Prinzip darüber, unterschiedliche Kenntnisbereiche zu kreuzen. Ich kann mir vorstellen, daß es für einen Elektroingenieur genauso schwierig wäre, Musik zu schreiben. Es gibt heute so viele Werkzeuge und Resourcen sowohl um Musik zu schreiben als auch um Interfaces zu bauen, daß keines von beidem unüberwindbar ist. Abgesehen davon, zwischen “etwas machen” und “etwas großartiges machen” liegen Welten, mit denen man sich ernsthaft beschäftigen sollte.

Der schnellste Weg zu einem “selbstgebastelten” Controller ist wahrscheinlich das Doepfer Pocket Electronics Kit. uCApps ist ein umfangreiches modulares MIDI system (und mehr) auf Open-Source-Basis.

Es existiert eine sehr lebendige Community rund um monome und alles ist sehr gut dokumentiert. Ihr, als der Hersteller, stellt alle notwendigen Baupläne, die Steuer-Platine und einige der notwendigen Komponenten zur Verfügung die man benötigt, um seine eigene monome-inspirierte Hardware zu bauen. Was war die unverschämteste Anfrage, die in diesem Kontext an euch gerichtet wurde? Könnt ihr mir bitte kostenlos einen Bewegungs-Sensor in meine monome 40h einbauen?

Der Großteil der Diskussionen war bisher sehr positiv. Das Hauptmissverständnis dem wir begegnen ist ein deutlicher Mangel an Einsicht dafür, was die Herstellung eines Geräts kostet und wieviel persönliche Zeit wir in den Prozess investieren. Unsere Marktwirtschaft hat dazu geführt, dass wir für alles billige Preise erwarten, selbst wenn diese der heimischen Arbeitskraft teuer zu stehen kommen und zum steigenden US-Handelsdefizit beiträgt. Wir haben uns an Dinge mit kurzer Lebensdauer gewöhnt. Wir weisen oft nicht den Unternehmen die Verantwortung zu, wenn Dinge kaputtgehen oder wenn sie so billig hergestellt sind – offensichtlich entwickelt zur Veralterung. Manche schrecken kaum davor zurück, wenn sie dasselbe Produkt zum zweiten oder dritten Mal kaufen (einige Mobiltelefone kommen einem in den Sinn).

Wir versuchen die Nachfrage zu befriedigen, ohne den Markt zu übersättigen.

Wir versuchen eindeutig, diese Praktiken zu vermeiden indem wir nicht überproduzieren. Wir versuchen die Nachfrage zu befriedigen, ohne den Markt zu übersättigen. Kurze Wege ergeben Sinn für uns. Unsere Designs werden hoffentlich überleben und Wert bewahren. Alle Bestandteile sind öffentlich erhältlich, sodaß man im Schadensfall selbst reparieren kann oder jemanden finden kann, der die Fähigkeiten dazu hat. Es ist eine Art von unbegrenzter Garantie.

Monome 40h
monome 40h

Ich besitze eine monome 40h und habe damit begonnen, sie für Musikproduktion und Live-Auftritte einzusetzen. Obwohl sie eigentlich der generischste Hardware (oder nenne es “offen”) ist die ich benutze, kann ich eine gewisse Präsenz der “monome Idee” in allen Ergebnissen spüren. Was denkt ihr darüber? Erzählen euch das viele?

Ich hoffe die “monome Idee” ist, daß das Gerät keinen spezifischen Einsatz aufdrängt. Es gibt den unglücklichen Umstand, daß ein Gerät zu kaufen bedeutet, synonym dafür ist, ein bestimmtes Erfolgerlebnis oder einen bestimmten Trick zu erstehen (wie das Hinzufügen eines Blendeneffekts mit Photoshop). Die “monome idea”, das hoffe ich, ist gleichbedeutend mit der Erforschung unzähliger Möglichkeiten, gleichzeitig dazuzulernen, das Gerät seinen Bedürfnissen anzupassen und Erfahrungen mit anderen auszutauschen.

Ich bin zweifellos beeindruckt von der monome-Nutzerschaft und deren fortwährende Unterstützung und Fantasie. Das stimmt mich sehr optimistisch.

Hat das monome-Konzept in irgendeiner Weise euer eigenes Verständnis von Interface verfeinert? Oder eure Musikproduktion? Oder eure grundsätzliche Wahrnehmung von Musik?

Absolut. Jetzt ist es an der Zeit für uns, uns wieder mehr mit Musik, Kunst und Film zu beschäftigen. Nachdem wir mit unserer neuen Serie fertig sind natürlich.

Brian Crabtree aka tehn am monome 256
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